Es gibt Häuser,…
bei denen reichen ein paar Schritte durch die Haustür und man hat eine gute Ahnung, aus welcher Zeit sie stammen.
Links oder rechts gleich das Gäste-WC. Winzig, dafür farblich ausgesprochen selbstbewusst.
Hellblau geht noch. Rosa findet man auch. Besonders schön wird es in diesem schwer zu beschreibenden Grün, das irgendwann einmal jemand gesehen und offenbar gedacht haben muss: Genau das möchte ich jetzt auf sehr vielen Fliesen haben.

Dann der Flur.
Dunkles Holz. Vielleicht eine abgehängte Decke, ebenfalls Holz. Eine Garderobennische. Türen, erstaunlich viele Türen.
Solche Häuser begegnen uns auch hier in Bergisch Gladbach immer wieder. Viele stammen aus den 60er- und 70er-Jahren und erzählen ziemlich deutlich davon, wie anders Wohnen damals gedacht wurde.
Und spätestens, wenn ich in die kleine abgeschlossene Küche komme, passiert bei mir gedanklich schon einiges.
Die Wand könnte doch weg.
Die Küche auf zum Esszimmer. Vielleicht noch die Tür raus. Alles heller, großzügiger, offener.
Ich sehe das schon fertig vor mir.

René Schulte, unser Geschäftsführer und Sachverständiger, schaut auf solche Häuser naturgemäß etwas anders als ich. Während ich die Küche gedanklich längst geöffnet habe, interessiert ihn erst einmal, warum diese Wand überhaupt dort steht.
Und damit beginnt meistens der Teil, den ich bei älteren Häusern inzwischen viel spannender finde als die Frage, welche Fliesenfarbe wir ihnen heute zumuten würden.
„Dieses Haus braucht Luft!“
Bei Häusern aus den 60er- und 70er-Jahren passiert etwas Interessantes: Wir betreten sie mit unseren heutigen Vorstellungen vom Wohnen und erkennen innerhalb weniger Minuten alles, was wir verändern würden.
Mehr Licht. Größere Räume. Offene Küche. Weniger Türen. Und weniger Holz sowieso.
So ein Grundriss kann dagegen wirken, als hätte sich damals jemand vorgenommen, möglichst viele Bereiche des Lebens voneinander fernzuhalten.
Der Moment, in dem man gedanklich schon umbaut, bevor man weiß, was die Wand eigentlich genau macht.
Kochen hier.
Essen dort.
Wohnen nebenan.
Schlafen oben.
Waschen im Keller.
Und dazwischen Türen.
Aus heutiger Sicht erscheint das schnell kleinteilig. Dabei waren solche Grundrisse nicht zufällig. Räume hatten klare Funktionen, Wohnbereiche wurden voneinander getrennt und das Haus folgte dem Alltag seiner Bewohner.
Nur war dieser Alltag ein anderer als unserer heute.
Und vielleicht liegt genau da der erste Denkfehler: Wir schauen auf ein 55 Jahre altes Haus und erwarten, dass es für ein Leben geplant wurde, das es damals noch gar nicht gab.
„Die Tür hatte möglicherweise doch einen Sinn“
Heute soll ein Raum am besten vieles gleichzeitig können.
In der offenen Wohnküche wird gekocht, gegessen, geredet, gearbeitet und gespielt. Freunde sitzen an der Kücheninsel, während das Essen entsteht. Kinder machen vielleicht am Tisch Hausaufgaben und irgendwo dazwischen versucht noch jemand, eine Videokonferenz zu führen.
Das kann wunderbar sein.
Bis jemand Zwiebeln anbrät, während ein anderer telefoniert. Der Geschirrspüler läuft. Der Fernseher läuft auch. Und Besuch kommt genau in dem Moment, in dem auf der Kücheninsel noch das komplette Frühstück steht.
Dann merkt man plötzlich: So eine Tür ist technisch keine besonders aufregende Erfindung. Praktisch ist sie schon.
Ähnlich geht es mir inzwischen mit manchen Fluren und Dielen älterer Häuser. Auf einem Grundriss sehen sie schnell nach verschenkter Fläche aus. Heute versucht man häufig, möglichst jeden Quadratmeter dem eigentlichen Wohnraum zuzuschlagen.
Die Diele hatte allerdings eine Aufgabe. Man kam nach Hause, zog Jacke und Schuhe aus, stellte die Einkäufe ab. Erst dahinter begann der Wohnbereich.
Das klingt nicht revolutionär. Vielleicht ist genau das der Punkt.
Und wie war das bei Ihnen?
Grünes Bad, Kellerbar, Holz an Stellen, an denen heute vermutlich niemand mehr Holz vermuten würde: Was ist Ihnen aus Häusern der 60er- und 70er-Jahre noch in Erinnerung geblieben?
Erzählen Sie uns davon. Vielleicht erkennen sich hier ja einige wieder.
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„Dann machen wir die Wand eben raus.“
Diesen Gedanken haben wahrscheinlich viele, die zum ersten Mal durch ein älteres Haus gehen.
Und manchmal ist das tatsächlich eine gute Idee.
Nur besteht ein Haus leider nicht aus schwarzen Linien auf einem Grundriss, die man mit dem Radiergummi entfernen kann.
Eine Wand kann tragend sein. Leitungen können darin verlaufen. Darüber können weitere Bauteile lasten. Je nachdem, was verändert werden soll, müssen Statik, Konstruktion und möglicherweise auch baurechtliche Fragen geklärt werden.
Früher hätte ich bei manchen Grundrissen wahrscheinlich einfach gedacht: Wand raus, fertig. Inzwischen weiß ich, dass genau an dieser Stelle die interessanteren Fragen anfangen.
Gehört die Wand überhaupt zum ursprünglichen Grundriss? Oder hat irgendwann jemand entschieden, dass genau dort noch eine hinmuss?
Gerade bei Häusern, die schon fünf oder sechs Jahrzehnte erlebt haben, ist das nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen.
Da wurde irgendwann eine Tür geschlossen und an anderer Stelle eine neue geschaffen. Ein Raum wurde geteilt. Das Dach ausgebaut. Eine Decke abgehängt. Ein Anbau ergänzt.
Manchmal erzählt der alte Bauplan deshalb eine andere Geschichte als das Haus, durch das man gerade läuft.

irgendwann ein neues Kapitel bekommen?
Und genau dann wird aus „Die Wand muss weg“ plötzlich eine kleine Spurensuche.
Danach darf sie immer noch raus. Nur vielleicht nicht mit Vorschlaghammer und grenzenlosem Optimismus am Samstagnachmittag.
„Und der Keller könnte doch ein schönes Büro werden„
Auch dieser Gedanke liegt bei vielen älteren Häusern nahe. Da unten sind schließlich noch einige Quadratmeter. Vielleicht gibt es sogar Fenster, einen großen Raum und einen direkten Zugang zum Garten. Ein schöner Boden, helle Wände, Schreibtisch rein und schon ist aus dem Keller ein Homeoffice geworden.
Zumindest gedanklich.
Denn viele Keller dieser Baujahre wurden für etwas völlig anderes geplant. Dort standen Vorräte, Waschmaschine, Werkbank und Heizung. Vielleicht gab es später noch einen Hobbyraum oder die legendäre Kellerbar. Als dauerhafter Wohnraum waren diese Flächen häufig nicht gedacht.

Wer daraus heute Wohnraum machen möchte, muss deshalb genauer hinschauen. Feuchtigkeit und Abdichtung spielen eine Rolle, ebenso Raumhöhe, Tageslicht, Lüftung und die Frage, ob eine Nutzung als Wohnraum baurechtlich überhaupt zulässig ist.
Aus den vermeintlich geschenkten Quadratmetern kann also ein größeres Projekt werden. Das heißt nicht, dass es nicht funktioniert. Es heißt nur: Erst verstehen, dann planen.
Nicht alles Alte ist plötzlich genial
Bevor jetzt der Eindruck entsteht, ich hätte während dieses Artikels meine Liebe zu Holzdecken und Sanitärkeramik in Moosgrün entdeckt: nein.
Manches darf einfach weg.
Geschmack verändert sich. Materialien verändern sich. Technik verändert sich. Und Häuser aus den 60er- und 70er-Jahren haben aus heutiger Sicht selbstverständlich auch Schwachstellen.
Beim Wärmeschutz beispielsweise galten zur Bauzeit andere Anforderungen. Alte Fenster, Wärmebrücken, Gebäudetechnik, Abdichtungen oder ein über Jahrzehnte entstandener Sanierungsstau können Themen sein, bei denen ein genauer Blick sinnvoll ist.
Ein altes Haus ist nicht automatisch gut, nur weil manche seiner Lösungen einmal einen nachvollziehbaren Zweck hatten.
Aber neu ist eben auch nicht automatisch besser.
Und vielleicht ist das der interessantere Gedanke.
Erst verstehen. Dann verändern.
Je mehr ältere Häuser ich sehe, desto weniger gefällt mir inzwischen die Frage: Was muss hier alles weg?
Viel spannender finde ich: Warum ist das eigentlich so?
Was gehört noch zum ursprünglichen Haus? Was kam später dazu? Welche Idee steckte hinter dem Grundriss? Was funktioniert nach 50 oder 60 Jahren überraschend gut und was passt tatsächlich nicht mehr zu unserem Leben?
Erst danach muss man entscheiden, was bleiben darf.
Wir können ein Haus von 1970 an das Jahr 2026 anpassen. Wir können Küchen öffnen, Räume verbinden, Technik erneuern und aus einem Grundriss, der für eine andere Generation gedacht war, ein Zuhause machen, das zu unserem heutigen Alltag passt.
Vielleicht müssen wir dafür nur nicht automatisch alles für unsinnig erklären, was vorher da war.
Denn genau das finde ich an älteren Häusern inzwischen so interessant:
Manches sieht beim ersten Rundgang vollkommen überholt aus. Beim zweiten Blick merkt man, dass sich jemand durchaus etwas dabei gedacht hat.
Vielleicht waren die früher gar nicht so doof.
Nur beim grünen Gäste-WC bleibe ich hart.
Das darf weg.
☕ Für heute lassen wir es dabei.
Es muss ja nicht gleich das ganze Haus dran glauben.
Wir lesen uns beim nächsten Hausgespräch.

Ihre Tanja Polly
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Eine Frage im Kopf?
Dann her damit. Vielleicht gibt es etwas rund ums Haus, Wohnen, Kaufen, Finanzieren, Versichern oder Sanieren, bei dem Sie sich schon länger fragen: Warum ist das eigentlich so?
Oder Sie haben eine Beobachtung gemacht, über die wir unbedingt einmal sprechen sollten.
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Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information rund um Bestandsimmobilien und mögliche bauliche Veränderungen. Ob Wände entfernt, Räume anders genutzt oder Kellerflächen zu Wohnzwecken umgebaut werden können, hängt vom jeweiligen Gebäude und den baurechtlichen Voraussetzungen ab. Vor Eingriffen in die Bausubstanz oder Nutzungsänderungen sollte die konkrete Situation fachkundig geprüft werden.
